Bautzener Dauerkopf

Der Bautzener Dauerkopf und seine Rückkehr in die Heimat

Auf einer Saatguttauschbörse in Kreba-Neudorf lernte ich 2011 eine junge Frau kennen, die einen Kopfsalat namens „Bautzener Dauerkopf“ anbot. Als Bautzener war natürlich sofort mein Interesse geweckt und ich tauschte etwas Saatgut von Spargelerbsen gegen den Salat ein. Und ich erfuhr die interessante Geschichte dieser alten Sorte. Sie wurde von einem Mitglied des VEN in einer US-amerikanischen Genbank aufgespürt und von dort nach Deutschland zurückgeholt, wo sie durch den VEN weitervermehrt wurde (L. Frese, Samensurium 17, VEN 2011).

Im Internet fand ich den Hinweis, dass diese Sorte 1925 von der Gärtnerei Röpke aus Bautzen in den Handel gebracht wurde und in ganz Europa bis in die 1960er Jahre angebaut wurde ( biblio.rsp.free.fr/Pdf/SalatSorten1.pdf).

Andere Quellen berichten über Anbauten in Südamerika ( www.scielo.br/pdf/brag/v28nunico/11.pdf).

Später wurde allerdings diese Sorte von anderen verdrängt, die besser an die zunehmende industrielle Gemüseproduktion angepasst waren. Für die Ertragsgärtnerei sind viele alten Sorten aufgrund ihrer Eigenschaften eher uninteressant, während sie für die Hobbygärtner sehr gut geeignet sind.

2012 fand die erste Saatguttauschbörse in Bautzen statt, auf der auch wieder der Dauerkopf auftauchte. Im selben Jahr vermehrten wir den Salat in unserem Garten, indem wir die besten Köpfe stehen ließen. So konnten auch wir, wie andere Mitglieder des VEN, im Folgejahr größere Mengen auf den Saatguttauschbörsen der Umgebung anbieten, wofür sich auch viele Besucher interessierten.

2014 erhielten wir aus der Genbank in Olomouc/Tschechien etwas Samen des Dauerkopfes. Leider keimte dieses Saatgut sehr schlecht. Die wenigen aufgegangenen Sämlinge waren auch nur sehr schwach, so dass man annehmen muss, dass das Saatgut überlagert ist. Dies ist ein bekanntes Problem der Genbanken, da die Samen nur in sehr großen zeitlichen Abständen ausgesät werden können.

Leider scheiterte zunächst der Versuch, eine Biogärtnerei zu finden, die sich der fachmännischen Vermehrung annimmt.

Bei der Vorbereitung der Saatguttauschbörse im Februar 2016 konnte durch eine Journalistin die Nachfahrin des Züchters gefunden werden, die immer noch das Gärtnerhandwerk betreibt. Sie baut den Dauerkopf seitdem wieder an.

Die Vermehrung wird inzwischen z.B. von Franka Wenk auf der Johannishöhe in Tharandt vorgenommen. http://johannishöhe.de/landwirtschaft/saatgut/

So bleibt es in Zukunft hoffentlich nicht mehr nur Hobbygärtnern vorbehalten, den "Bautzener Dauerkopf" in den Gärten zu vermehren und damit für die Nachwelt zu erhalten. Verdient hat er es allemal!

M.Berger